Materialdeklarationen
Eine Materialdeklaration ist die Art, wie ein Unternehmen dem nächsten mitteilt, woraus ein Teil besteht, in einer Struktur, die sich prüfen statt raten lässt. Hier stehen die Formate im Umlauf, wer welches verlangt, wo sie in der Praxis schiefgehen und wie Pareo sie in großer Zahl erzeugt und prüft.
Was eine Materialdeklaration ist
Eine Materialdeklaration meldet die Stoffe und Materialien, die ein Produkt enthält, damit der Empfänger die Konformität prüfen kann, statt einer Zusage zu vertrauen.
Die Tiefe ist unterschiedlich. Eine Lieferantenerklärung beantwortet Ja oder Nein zu einem benannten Regelwerk. Eine Deklaration gegen eine Stoffliste meldet die Konzentration jedes Stoffs auf dieser Liste. Eine vollständige Materialdeklaration meldet jeden Stoff hinunter bis zum homogenen Werkstoff und summiert sich idealerweise auf 100 Prozent der Masse des Teils.
Je tiefer die Deklaration, desto größer der Aufwand und desto mehr der eigenen Rezeptur wird offengelegt. Sie bleibt dafür länger brauchbar, weil ein neu regulierter Stoff gegen bereits vorhandene Daten geprüft werden kann, statt die Lieferanten erneut zu befragen.
Wissensdatenbank: Materialdeklaration ↗Wissensdatenbank: vollständige Materialdeklaration ↗
Die Formate und wer welches verlangt
- IPC-1752A. Das XML-Format der Elektronikindustrie, von IPC mit einem Schema veröffentlicht, in den Klassen A bis D: eine Compliance-Abfrage mit Antwort, Mengen je Materialgruppe, eine Zusammensetzungsübersicht auf Produktebene und eine vollständige Materialdeklaration hinunter bis zum homogenen Werkstoff. Historisch wurde es als PDF-Formular mit eingebettetem XML ausgeliefert.
- IMDS. Die gemeinsame Datenbank der Automobil-Lieferkette. Jede Stufe reicht ein Material Data Sheet ein, das ein Teil in seine Materialien und Stoffe zerlegt; was gemeldet werden muss, kommt aus der GADSL.
- CMRT und EMRT. Das Conflict Minerals Reporting Template, gepflegt von der Responsible Minerals Initiative, sammelt Schmelzhütten und Herkunftsländer für Zinn, Tantal, Wolfram und Gold. Das EMRT überträgt denselben Ansatz auf Kobalt und Glimmer.
- chemSHERPA. In Japan verwaltet, in zwei Formaten: chemSHERPA-AI für Erzeugnisse und chemSHERPA-CI für chemische Produkte. Seine Stoffliste basiert auf der Liste deklarationspflichtiger Stoffe der IEC 62474.
IPC (electronics.org) ↗Responsible Minerals Initiative ↗chemsherpa.net ↗Wissensdatenbank: IMDS ↗
Wo sie in der Praxis schiefgehen
- Teilenummern, die nicht zusammenpassen. Die Nummer des Kunden, Ihre Nummer und die des Lieferanten sind drei Zeichenketten für ein Teil, und eine gegen die falsche abgelegte Deklaration ist schlimmer als gar keine.
- Prozentsätze, die nicht aufgehen. Eine vollständige Materialdeklaration soll 100 Prozent der Masse des Teils abdecken. Eine, die das nicht tut, ist keine vollständige, wie auch immer sie beschriftet ist.
- Ungenau bezeichnete Stoffe. Ein Handelsname oder eine Legierungsbezeichnung dort, wo eine CAS-Nummer erwartet wurde, lässt den Empfänger raten, welcher Stoff gemeint war.
- Gealterte Deklarationen. Die Kandidatenliste hat sich nach dem Schreiben der Datei bewegt, die Datei ist also zutreffend zu einer Liste, die so nicht mehr aussieht.
- Schemakonform und trotzdem falsch. Eine Datei kann das veröffentlichte Schema bestehen und der Stückliste dahinter dennoch widersprechen.
Wie Pareo sie in großer Zahl erzeugt und prüft
- Einlesen. Lieferantenerklärungen kommen als XML, Tabelle, PDF und Formular. Jede wird in dieselbe interne Struktur geparst, die Quelldatei bleibt erhalten.
- Auflösen. Teile und Stoffe werden auf Ihre eigenen Datensätze abgebildet, damit eine Deklaration am richtigen Teil landet und nicht an einer ähnlichen Zeichenkette.
- Prüfen. Schema, Massenbilanz, Stoffidentifikation und Aktualität gegen die heutigen Listen werden geprüft, bevor einer Datei vertraut wird.
- Aufrollen. Komponentendaten werden zu Baugruppen und zum Fertigprodukt verdichtet, samt Spur zu jedem beitragenden Dokument.
- Ausgeben. Die Deklaration wird im gewünschten Format des Kunden erzeugt, und eine Person gibt sie frei.
Was eine Deklaration nicht entscheidet
Eine Materialdeklaration ist kein Konformitätsnachweis. Sie gibt dem Empfänger die Daten, um die Konformität selbst zu beurteilen. Die rechtliche Konformitätsentscheidung bleibt beim Empfänger und beim Hersteller, der das Produkt in Verkehr bringt.
Pareo erzeugt und prüft diese Dateien. Es zertifiziert niemanden, und diese Seite beschreibt allgemein, was die Formate enthalten, nicht was ein bestimmtes Produkt deklarieren sollte.
Die Referenz hinter diesen Aussagen
Jede Aussage zu einem Format auf dieser Seite ist auf die Pareo-Wissensdatenbank und auf die dort zitierte offizielle Quelle zurückführbar.
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